small and tired...

okay das hier ist Versuch Nummer zwei weil mein Pc grade mal wieder völlig unverhofft abgeschmiert ist.

Also wieder eine Woche rum. Nachdem mich alle ständig fragen "und, wie war deine erste Uni-Woche?" (es hat irgendwie "where are you from?" abgelöst), musste ich mir die Frage zwangsweise auch mal selbst stellen. Die Vorlesungen sind auf jeden Fall alle sehr interessant, aber wesentlich voller als in München (vllt weil es eine Abschlussklausur gibt?). Die Seminare fangen erst nächste Woche an. Nachdem wir uns von dem langweiligsten, unglaublich ausschweifenden Menschen (es ging bis zum National Museum of  Ireland und wo das sein Geld herbekommt) erzählen haben lassen wie das geht, konnten wir sogar Level 3 Kurse belegen. Mit ein wenig Betonung auf die eigene Herkunft und das Vorwissen zum ersten Weltkrieg (danke Enno!) konnte ich mich auch ganz leicht in das Seminar zur 2. Weltkriegs-Literatur schleimen (Antwort des Dozenten : "You would be a really compelling case for my seminar...". Ein bisschen nervig ist allerdings Germanistik. Ganz nach deutscher Sitte müssen wir vor der ersten Stunde schon unglaublich viel machen, und die Primärliteratur war wirklich Schwachsinn. Auch die vielen Bücher die man sich kaufen muss haben mich irgendwie schockiert. Trotzdem ist der erste Eindruck ganz gut. Irisch macht auch Spaß soweit. Ich mag auch die Linien auf dem Boden, denen man zu seinem Raum folgen kann. Wär mal was für das LMU Hauptgebäude.

Aber Uni ist hier sowieso anscheinend eher Nebensache. Am berühmten Black Monday geht man schon mal traditionell gar nicht erst hin und betrinkt sich lieber. Daher hat sich ein weiterer Nachteil des Erdgeschossbewohnens herausgestellt: Brüste und nackte Männerärsche vorm Küchenfenster. Kann passieren.

Aber natürlich sitzen wir nicht immer nur in unserer Küche und sehen uns Fleisch an. Freitag war Mädelsabend. Vorglühen, Flucht aus der Küche aufgrund von Bratgerüchen (verursacht von WG Feind Nummer 2, die ein wenig unbeliebte 5. Mitbewohnerin, zu Nummer 1 später), weitertrinken und Frisuren machen in meinem Zimmer, Mädelsgespräche und das unglaubliche Geständnis von Mari, dass sie vor unserer Ankunft aus Silvias Zimmer eine Lampe und einen Abfalleimer geklaut hat. Hatte so schwer auf ihrer Seele gelastet dass alles in einem riesigen Lachanfall enden musste. Danach Club M.Die Leute da waren so seltsam, das kann man gar nicht beschreiben. Aber wir hatten unseren Spaß, obwohl ich wieder zum tanzen gezwungen wurde. Vllt auch gerade deswegen. Leider mussten wir feststellen dass Iren auch gerne mal nach alten Füßen riechen, nur eben am ganzen Körper. Er wollte uns dann noch eine skandinavische Herkunft unterstellen (da fand ich Russland letztens schmeichelhafter)...schnell heim und ausnüchtern. In der Küche noch Scones und Philosophieren über den Tod, dann endlich schlafen.

 Schließlich bin ich einer der essentiellen Fragen nachgegangen: Gibt es Gleichgesinnte in Dublin? Einen Versuch wars wert. Die schlimmsten Befürchtungen wurden zur bitteren Realität. Es gibt nur eine Darkwave/EBM/Industrial Party namens Dominion in einer unscheinbaren Bar auf der O'Connell. Es war definitiv halbleer und nicht halbvoll. Kein Stil erkennbar. Kleidung besteht hauptsächlich aus Springern und Bandshirts. Das Gruften wurde hier wohl nie erfunden, der Glühwürmchen-Tanz aber auch nicht. Mehr 0815 rumhampeln, wie in jeder normalen Disco ("Pong" ist trotzdem auch hier ein echter Partyhit...). Die Atmosphäre war sehr familiär. Der Veranstalter kam gleich zu uns und hat alles erklärt bzw. entschuldigt und Essen angeboten. Jeder kennt hier jeden. Musik war allerdings relativ gut, viele Sachen kannte ich zwar nicht aber die Richtung bewegt sich irgendwo zwischen EBM, Oldschool (Sisters of Mercy, NIN) und deutschem Darkwave (wenn die den Text von Panzermensch verstehen würden wären sie sicher enttäuscht^^). Meine Herkunft wurde auch sofort auf Deutschland geschätzt, vermutlich wegen dem Outfit. Im Endeffekt muss ich mich sit langem mal wieder über meine Schüchternheit ärgern (wobei...wegen der etwas anderen Lage des Jugendschutzgesetzes war ich eh nicht sicher ob ich gerade pädophile Anwandlungen hatte...)und frage mich wie ich das nächste Mal hinkommen soll. Alleine ist auch minderwertig... aber so? Ein trauriger Tag.

Danach weiter in ein irisches Wohnzimmer. Herrlich, 5 Iren betrinken sich auf ihrer Couch und geben mir Zigaretten, Bier und Wodka aus. Der Slang bleibt unverständlich aber das wesentlich kam dann doch an. Leider konnten Bekanntschaften nicht weiter vertieft werden...ein älterer Pole hat auch den ganzen Abend lang versucht mir mein eisernes Kreuz ("Blood-Cross" abzuschwatzen. Ich will nicht wissen warum. Gnadenloses Abfüllen, irgendwann gegen 7 dann eingeschlafen (in vielem Situationen meines Lebens habe ich schon festgestellt dass die interessantesten Gespräche über einen selbst geführt werden wenn man schläft, oder zumindest so aussieht. Hier erneute Bestätigung), nach einer kleinen Odyssee über den Campus dann gegen halb 9 endlich zu Hause. Gott sei Dank endlich ins Bett, alleine!

Resultat des Abends: schlimmer Kater, bittere Ernüchterung, pleite. Merke: demnächst mit spendablen Iren weggehen statt so.

achja, WG Feind Nummer 1 ist eine Kakerlakenleiche, gefunden in einem Ikea-Karton. Jetzt ist natürlich unklar, ob sie hier heimisch ist und verstorben ist oder ob sie eingeschleppt wurde. Angst vor dem Unbekannten.

Folgen dieser Nacht sind also in erster Linie schwere Depressionen und eine gewisse allumfassende Ratlosigkeit.

Da ich heute mal ein wenig Dramatik für angebracht hate, auch zum Schluss nochmal ein Zitat von Silke Bischoff, meinen ständigen Begleitern hier:

There must be someone somewhere on this planet, that feels the same way like I do...

5 Kommentare 19.9.10 17:58, kommentieren

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1. Woche

hi!

das lesen eh nur Menschen die mich kennen also werd ich hier gar nicht groß erklären^^

heute ist Sonntag und morgen geht die Uni los. Mal sehen wie das so wird. Ich bin immer noch orientierungslos.

Bis jetzt ist aber das meiste ziemlich gut gelaufen. Es war stressig aber jetzt hab ich alles beisammen: Konto, Studentenausweis, Travel Card, Fitness Studio, Kurse, Sprachkurse...

Die Wohnung ist auch in Ordnung. Okay, manchmal kommen random irgendwelche Handwerker in unsre Zimmer und brabbeln was auf Irish English und draußen ist es oft ziemlich laut. Außerdem kann mich auch grad jeder der vorbeigeht beim schreiben beobachten. Wenn ich hier was ändern müsste wäre das aber auch nur das Bussystem. Es gibt keine Fahrpläne, weder Ansagen noch Anzeigen. Jeder scheint zu wissen wo er hinwill. Das tun wir sehr selten. 

Die Uni ist aber viel besser als bei uns. Jeder hilft einem und alles ist recht gut organisiert. Nur schade dass ich kein Russisch nehmen kann! Dafür haben wir Englisch gerockt und sind im besten Kurs.

Ausgehmäßig hab ich schon viel erlebt^^ Einmal waren wir auf einer International Party, ziemlich random. Auf dem Weg dahin: sich übergebende ("she laughed pieces!" Schicksen, die mit ihren High Heels halbnackt die Grafton Street runterstöckeln und Franzosen die des Englischen mächtig sind. Cider! Schlechte Musik...Braaaaam, der Niederländer! Der erste Metaller. Wenn auch nicht ganz meine Richtung. Österreicher, warum gerade die?Endlich nach Hause. Taxi. Oder die Studentenbar. Guinness zum Geburtstag, awesome. Dann nach Carnival suchen, gibts nicht mehr. Auf dem Weg random irische Straßenmusiker die Rock n Roll spielen, tanzende Studenten. Weiter. Schon wieder Amerikaner. Kennen sich, natürlich. Man möchte nicht glauben dass das so ein großes Land ist. Rein in den nächstbesten Club. The Village. The Nightmare, würde ich es nennen. Dicker Inder tanzt auf der Bühne zu Bollywood Musik. Tequila. Jack Cola. Immer noch nicht besser. Zum Tanzen gezwungen werden ist nur gegen kostenlose Drinks einzustauschen. Endlich weg. Random Metaller steht auf der Straße. Blicke. Zigaretten schnorren, ein Deutscher, natürlich. Wunderbares Zusammentreffen, in dieser unmetallischen Stadt. Nummern austauschen ist schwierig wenn beide broke und telefonlos sind. Es gibt ein zweites Wiedersehen.Rein ins Taxi. Von hinten kommt ein vegetarisches Stück Pizza. You're fucking awesome, love you guys! Endlich schlafen. Seltsamer Geburtstag. Aber dank Kuchen von Michi, großzügigen Amerikanern und den Mädels hier ein wunderbarer Tag...

Verlaufen in Dublin auf der Suche nach einem Festival imNational Museum. Naja vllt nächstes Mal. Und what actually is Fringe Festival anyway?

Alles ist so verdammt teuer...Lidl war wie ein Ausflug ins Paradies. Auch wenn die Deutschen nerven.

Endlich auch mal Skypen. Ab morgen endlich ein Telefon! 

Ich bekomme ein schlechtes Gewissen weil ich kein Heimweh habe. Nicht dass es hier so toll wäre aber Räume, Möbel, Unis und sogar Menschen sind doch austauschbarer als man denkt. Freunde nicht, klar. Aber so die random Nebendarsteller.

Ohne Michi wäre ich aber schon sehr traurig, deutsch reden, Insider und Lachanfälle helfen über die schlimmeren Pannen und Stimmungstiefs hinweg. Irgendwie lachen wir aber immer nur über die grausamsten Tagträume...

So aber jetzt ist auch mal genug. Ich verspreche weniger zu schreiben die nächsten Male. Danke für eure Aufmerksamkeit.

7 Kommentare 12.9.10 22:04, kommentieren


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